Die Arbeit an den Blockaden hat nichts mit wahrnehmbaren Verkrampfungen zu tun. Es sind unbewusste Spasmen der unwillkürlichen Muskulatur (Atmung, Verdauung, Zwechfell etc.) Die "Eigentherapie" an diesen Blockaden ist damit so sinnvoll wie eine Eigenoperation an den Augen mit einem Spiegel. Sie verstehen? Man kann nicht bewusst an etwas Unbewussten arbeiten.
Die reich'schen Forschungen zur Dynamik der Blockaden hat zu mystischen Vorstellungen davon bei "Reichianern" geführt. Die "Auflösung von Blockaden" wurde zu einer wohlfeilen Metapher mit der die verschiedensten therapeutischen und spirituellen Techniken verkauft werden sollen.
Das führte mich zu genau der Kritik, die auch Reich dazu geführt hat, individuelle Therapie als unsinig zu bezeichnen. Es geht gar nicht darum, Blockaden aufzuspüren und aufzulösen. Es geht darum, die gesunden und die neurotischen Aspekte bewusst zu machen und das geschieht, wenn ein kontaktfähiger Mensch (= der Therapeut) versteht, wo ein anderer (= der Patient) den Kontakt verweigert. Es ist eine menschliche Begegnung, eine tiefe, direkte menschliche Kommunikation.
Ich argumentiere jetzt zwar genau gegen meine eigenen Geschäftsinteressen, aber ich habe nie zuungunsten der Wahrheit versucht "Umsatz zu machen". Also: wenn man verstanden hat, dass das Konzept der Blockaden eine sprachliche Vereinfachung des neurotischen Geschehens ist, kann ich auch nicht dazu raten, diese Blockaden mit den DOR-Buster zu lösen. Der Dor-Buster wurde nie zur Auflösung von Blockaden genutzt, weil diese "Blockaden" eine Methapher sind.
Die Blockaden sind lebendiges Gewebe, ein Teil des Körpers, der zwar nicht optimal funktioniert, aber der ist, wie er ist. Sehen Sie sich die Menschen an. Nehmen Sie einem beliebigen Menschen seine (neurotische) Struktur und er wird nicht mehr wissen, was er mit seinem Leben anfangen soll. Reich hat (z.B. im "Christusmord") immer wieder davor gewarnt, Menschen einfach ihre neurotische Struktur zu nehmen, ihnen eine Wahrheit zu bieten, die sie nicht leben können.
Wenn ich sage, dass es keine Gesundungen im Sinne Reichs gab, meine ich das ernst. Reich selbst hat das deutlich 1952 im Interwiev "Reich spricht über Freud" gesagt.
Wenn ein lebendiger, wirklich kontaktfähiger Mensch (als "Therapeut") einem anderen Menschen hilft, zu seiner lebendigen Struktur zu finden, könnte der DOR-Buster in bestimmten Situationen hilfreich sein. Das müßte erforscht werden, aber dazu halte ich keinen Menschen auf dieser Erde für fähig. Reich war eine extreme Ausnahme. Aber er hat seine Möglichkeiten immer wieder überschätzt, zumindest falsch eingeschätzt. Jedenfalls war er absolut kontaktfähig, das haben alle berichtet, die ich 1989 in den USA befragt habe (viele Kollegen und Patienten Reichs). Es war dieser Kontakt mit einem lebendigen, genitalen Charakter, was seine relativen Erfolge ermöglicht hat, nicht seine Therapietechnik. Das hat Reich zunächst selbst falsch eingschätzt, schließlich hat er -zig Therapeuten "ausgebildet". Nun gut, er hat damit seine gesamte Forschung finanziert (die Behandlung der Patienten war bei Reich immer kostenlos.) Aber nach 1950 hat er alle Therapie eingestellt und die Ausbildung anderen überlassen. Er hat es offenbar nicht übers Herz gebracht, den ausgebildeten Therapeuten zu sagen, sie sollen mit dem Unsinn aufhören. Aber er war richtig wütend, dass die Ärzte, die sich bei ihm nur eine Ausbildung für eine lukrative Therapeutenexistenz holten, nicht bereit waren, in die notwendigen Forschungen einzusteigen. Selbst sein bester Freund Theodor Wolfe hat eine private Therapeutenkarriere und eine traute Familienidylle angestrebt. Dann hat Reich sehr unfaire Methoden benutzt, um Wolfe an sich zu binden, indem er die Beziehung zwischen Wolfe und dessen Freundin gezielt zerstörte - was Reich auch nichts genutzt hat. Wolfe hat sich von Reich getrennt und ist kurz darauf an Tuberkulose gestorben.
Die von Reich ausgebildeten Ärze, die ich in den USA besucht habe, waren reiche Leute, aber keine Reich-Leute..
Was kann man also tun?
Ich meine, es ist wichtig, in aktuellen Schmerz-Situationen bewusst zu sein - zu lernen zwischen Schmerzkörper-Zuständen (aktueller Neurose) und der Erfahrung im Kern zu sein zu unterscheiden und zu WISSEN, wer ich jetzt bin. JETZT. Sich der wirklichen Lebendigkeit bewusst zu sein, ist genauso mit Angst besetzt wie die bewusste Begegnung mit dem Schmerz. Neurotische Menschen fürchten ihren gesunden Kern und verleugnen ihn.
Die Erfahrung der emotionellen Gesundheit, die einen Menschen ganz und gar erffüllt, haben fast alle Menschen gemacht, wenn sie glücklich verliebt waren. Das ist eine besondere Situation, in der sich der Schmerzkörper (ein anderer Begriff für die aktuell aktive neurotische Charakterstruktur) temporär abschaltet, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen: einen potentiellen Partner an sich zu binden. Was daran besonders ist: der Schmerzkörper hat ein eigenes Bewusstsein, d.h. er kann "sich entscheiden", sich selbst abzuschalten. Was übrig bleibt, der verliebte Mensch, ist der genitale Charakter, der unsprünglich liebevolle, kontaktfähige, schöne, erfolgreiche, zugängliche, absolut positive Mensch - als der ich mich innerlich immer empfinde. DAS IST DER KERN. Das ist der genitale Charakter. JEDER MENSCH HAT UNTERHALB DER NEUROTISCHEN STRUKTUR DIESEN LEBENDIGEN KERN.
Natürlich ist die spezielle Situation der Verliebtheit eine direkte Folge der neurotischen Struktur. Denn weil es so ungewöhnlich ist, fahren Menschen total darauf ab und glauben, das Leben mit diesem neuen Partner wird nun immer in dieser Extremsituatuon "glücklich" sein. Natürlich schaltet sich der Schmerzkörper wieder ein, sobald er glaubt, sich in seiner neuen Partnerschaft wieder "Futter" holen zu können, also die Erfahrung von Schmerz, der um so heftiger erlebt wird, je irrationaler die Fehleinschätzung war, mit diesem neuen Partner wäre plötzlich "alles gut".
Reich hatte verstanden, dass eine "Therapie" an der Situation der Menschen, an schwerwiegenden neurotischen Störungen zu leiden, nichts ändern kann. Er hat dies nach 1950 auch deutlich gesagt - nur wollen es die Therapeuten und Patienten bis heute nicht wissen, die bis heute die Hoffnung aufrecht erhalten, man könnte "Blockaden auflösen". Ein Märchen, von dem viele gut leben und an das Therapeuten und Patienten gerne glauben wollen. Wo sind denn nach 70 Jahren reichianischer Therapie die vielen "Gesunden"? Es gibt sie nicht.